Woche 10

Gefahrene Km in Woche 10 : 774 Km

Tag 64 - Lazy Day                              11.04.2016

Wie die Überschrift schon vermuten lässt legte ich heute einen faulen Erholungstag ein. Bis auf ein wenig Geldwechseln und die Stadt anschauen unternahm ich nichts Großartiges.

Bei einem Versicherungsbüro erkundigte ich mich nach dem Preis für 1 Monat Motorrad-Haftpflichtversicherung und wurde besseren belehrt. Erstens gab es eine Versicherung nur für ein komplettes Jahr, ohne Rückerstattung der übrigen 11 Monate und Zweitens war mein Motorrad in der Haftpflicht noch teurer, da es älter als Baujahr 2000 war. Das lag daran, dass....ach halt ja richtig, dafür gibt es keinen plausiblen Grund. Preis 3,2 Mio. Rial, was ca. 95€ entsprach. Da ich im Iran leider keine unbegrenzten Geldmittel (Kreditkarte) zur Verfügung hatte, sowie Preis und Konditionen schon arg dreist waren wollte ich mir die Sache noch einmal überlegen und die Versicherung im Iran vergleichen.

Am Abend gingen wir BBQ essen, doch da ich den Geschmack von Lamm bzw. Schaf nicht mag wich ich heute mal auf Tomaten, Zwiebeln und Peperoni aus. Tat auch mal sehr gut, nicht nur dem Geldbeutel.

Den gesamten Tag war ich mehr oder weniger damit beschäftigt meine nächsten Ziele abzustecken und Übernachtungsmöglichkeiten zu finden. In Tabriz fand ich eine. Ich hatte es heute leider noch nicht geschafft weiter zu kommen, war aber fest entschlossen dies morgen zu tun!

Tag 65 - Tabriz                                    12.04.2016

Ich ließ mir Zeit und als ich gen Tabriz startete war es schon gegen 11 Uhr. Doch sollte die Fahrt auch nur 2 Stunden dauern. 

Über den langen Damm durch den Salzsee Urmia ging es auf schlechten Straßen Richtung Tabriz. Leider hatte es die letzten Tage geregnet und so war von dem Salz recht wenig zu sehen, schade. Hossein meinte es sei der zweitgrößte Salzsee der Welt. Ich würde auf einer anderen Reise also noch einmal wider kommen müssen.

Die Gastfreundschaft der Iraner kannte auch auf dieser Fahrt keine Grenzen und so wurde ich an der Mautstation auf der anderen Seite des Damms einfach durch gewunken.

Der starke Wind setzte mir recht heftig zu, doch nach einer weiteren Stunde erreichte ich meine Unterkunft in Tabriz.

Ausgewanderte Deutsche hatten mir angeboten 2 Tage bei ihnen zu verbringen, ein Angebot, welches ich natürlich unglaublich gerne annahm. Um mögliche Unannehmlichkeiten zu vermeiden nenne ich hier keine Namen.

Den berühmten El Goli Park schaute ich mir am Nachmittag an und genoss die warme Sonne in der wunderschönen grünen Umgebung. Die Iraner leiben es in diesen Parks mitten in der Stadt zu campen, zu grillen, eine Wasserpfeifen zu rauchen oder einfach nur die Natur in der Stadt zu genießen. In vielen Parks gibt es dafür Toiletten, Wasser, Waschmöglichkeiten und vieles mehr.

Da ich wie es schien der einzige Tourist im Park war wurde mir viel Aufmerksamkeit zu teil. Vor Allem die jungen Iraner waren sehr an meiner Geschichte interessiert und stellten viele Fragen. Auf meine Frage, was man in der Stadt sehen müsste hieß es immer: "The Bazar". Ich merkte mir diesen also für den nächsten Tag vor. So dauerte es einige Zeit bis ich wieder zurück im Haus meiner Gastfamilie war.

Abends fand ein großes Essen mit Freunden und Verwandten meiner Gastfamilie statt. Die Iraner meinten es sei ein normales Treffen, doch waren 17 Leute zu Gast, was ich schon eine mittelgroße Privatparty nennen würde, zumindest in Deutschland. Es wurde Tee getrunken, Sonnenblumenkerne geknackt und reichlich gegessen. Eine warme und sehr herzliche Atmosphäre. Die Iraner konnten sich nicht vorstellen ihren Sohn/Tochter in einer Art wie ich es tat in die Welt gehen zu lassen.

Die Verarbeitung solch vieler neuer Erlebnisse ließen mich gut und tief schlafen.

Tag 66 - Tabriz Bazaar                    13.04.2016

Ich schlief lange und verbrachte den anschließenden Mittag vor dem Laptop, meine Website upzudaten.

Mittagessen gab es mit meiner Gastfamilie bevor ich mich allein los machte, die Stadt zu erkunden.

Der Bazaar ist UNESCO Weltkulturerbe und zugleich der größte überdachte Basar der Welt. Komisch also, dass ich trotzdem der einzige Tourist dort war.

Ich dachte ja schon der "Grand Bazar" in Istanbul wäre groß gewesen, doch das hier war dann doch noch einmal eine ganz andere Hausnummer.

Es gab Alles! Vom Schmied zum Metzger, Schuhe, Kleidung, Restaurants, frisches Essen, Honig, Holz, Nüsse, Spielzeug, Haushaltsgeräte, Motorroller und so weiter... Alles was man benötigte würde man hier finden. Ein großer Pluspunkt dieses Bazaars, keine Händler, die einen ständig und sehr nervig in ihre Geschäfte einzuladen versuchten wie in Istanbul. Allgemein war dieser Bazaar viel authentischer und vermittelte eher ein "Bazaar-Feeling" im eigentlichen Sinne. Ich hoffe die Bilder können ein wenig zweigen was ich meine. Es wurde vorwiegen Sinnvolles angeboten, gehandelt, gefeilscht, Tee getrunken gelacht und Wasserpfeife geraucht. Für mich absolut weiter zu empfehlen.

Ich verlief mich über 2 Stunden in den nahezu endlosen Gängen. Mit einem Taxi für 1000 Toman (10.000 Rial) ging es zur Busstation und von dort mit dem Bus für 300 Toman zurück nach Hause. Insgesamt also keine 50 Cent ausgegeben. Vom El Goli Park, wo der Bus ankam war es dann nicht weit bis zum Haus meiner Gastfamilie.

Am Abend wurden noch viele nette Gespräche Gespräche über unterschiedlichste Themen geführt bevor es für mich ins Bett ging.

Morgen sollte es nach Teheran gehen, immerhin über 600 Km.

 

Tag 67 - Ali                                           14.04.2016

Nachdem all meine Sachen auf der Queen verstaut waren und ein herzhaftes Frühstück vertilgt war konnte es losgehen.

Leider funktioniert man Navi heute wieder nicht, doch der Weg hinaus aus der Stadt auf die Autobahn war schnell gefunden.

An der ersten Mautstation war ich schon gespannt, was es kosten würde, doch ich wurde einfach durchgewunken.

Da es im Iran keine Motorräder über 250ccm gibt un diese nicht auf der Autobahn fahren dürfen gibt es keinen Mautpreis für Motorräder. Auch an den folgenden Mautstationen wurde ich so immer durchgewunken.

3 Mal tankte ich auf den 600Km bis Teheran. Jeweils unter 20.000 Toman (200.000Rial) also für unter 6€. 1 Liter kostet ca. 1000 Toman also unter 0,30€.

Am Hostel in Teheran kam ich ohne größere Probleme an, doch diesmal sollte das Hostel an sich das Problem darstellen. Es war geschlossen, genau wie das zweite ud einzig andere Hostel der Stadt, na suuuper!

Mir wurde die Adresse für ein 15$ Hotel gegeben und da mir nicht anderes einfiel machte ich mich auf den Weg dorthin. Natürlich verfuhr ich mich diesmal sehr oft, das Navi funktionierte immer noch nicht. Ich verfluchte die Großstadt, wie ich es schon in Istanbul getan hatte, immer dasselbe.

Von hinten wurde ich angehupt, das gefühlt 100erdste Mal heute und ich grüßte freundlich.

Doch diesmal wurde ich auf Deutsch angesprochen und während wir durch die Stadt fuhren unterhielten wir uns.

Er hieß Ali und schließlich folgte ich ihm zur Werkstatt seines Cousins (ebenfalls Ali), wir aßen, tranken Tee und lachten.

Ein Hotel würde er mir später zeigen. Als es dann jedoch tatsächlich spät wurde meinte er nur "schlaf doch bei mir". Dieses Angebot nahm ich natürlich nur all zu gern an. Die Queen hatte einen sicheren Parkplatz, ich lernte seine Frau samt Kind kennen und er versprach mir mit Visum und Co. zu helfen, perfekt!

Wieder einmal Glück in einer doch eher doofen Situation gehabt. Die Iraner halfen mir bisher noch immer, ein tolles Land und unglaubliche Menschen!

 

Tag 68 - Alis Freude                         15.04.2016

Zum Frühstück gab es frittiertes Ei, Brot und Tee. Gleich darauf machten wir uns durch den Verkehr der Stadt zu Mamelis Werkstatt auf. Mamali war ein guter Freund von Ali und Mechanaiker für "große" Motorräder. Dort traf ich auch auf einiger andere Freude von Ali. Allesamt motorradbegeisterte Jungs, toll!

Die Queen wurde natürlich genaustens inspiziert und erst einmal die hinteren Bremsbeläge gewechselt. Am nächsten tag sollten noch andere kleinere Operationen anstehen.

Warum ich nicht schon heute auf der pakistanischen Botschaft war? Unser Freitag entspricht dem iranischen Sonntag, sprich alles war geschlossen.

In der Werkstatt und im angrenzenden Laden Mamalis standen auch noch einige andere große Motorräder. Drei Suzuki B-King, etliche Honda, Yamaha, und Suzuki Naked-Bike-Modelle, eine Honda Goldwing und so weiter...

Mamali selbst wurde mir als der beste Mechaniker für große Maschinen im Iran und als "sehr gute Junge" vorgestellt. tatsächlich war er wohl der Beste an den ich hätte geraten können.

Bis zum Nachmittag blieben wir in der Werkstatt. Es wurde geschraubt, gegessen und ich bekam sogar eine kleine Stuntshow von Hassan, einem der Mechaniker in Mamalis Werkstatt. Wheelie und Stoppie mit einem indischen 220ccm Moped, ziemlich abgefahren!

Noch ein Stopp in einer Shisha-Bar und dann ging es heim. Da die Teheraner wohl ein Fußballspiel gewonnen hatten gar nicht so einfach. Nahezu alle Straßen waren mit Feierwütigen verstopft.

Früh ging ich ins Bett, da mein Kopf einfach nicht mehr aufnahmefähig war. Zu viel Informationen für einen tag im Leben des Luis ;-P

Morgen war "Montag" (Samstag) und ich hoffte bei der pakistanischen Botschaft doch noch einen Erfolg erzielen zu können.

Tag 69 - Alles für die Queen          16.04.2016

Morgens musste Ali seine Mutter ins Krankenhaus bringen und so hatte ich Zeit zu duschen, zu frühstücken und meine Tagebucheinträge (analog) zu schreiben. Online hatte ich in letzter Zeit wenig gemacht, da in Alis Wohnung leider kein Wlan verfügbar war.

Durch die morgendliche Rush-Hour ging es zur pakistanischen Botschaft, nur um dort herauszufinden, dass die Angestellten einen zusätzlichen, unangekündigten Feiertag eingelegt hatten. Na Super! Geduld war gefordert und so blieb nichts anderes übrig als morgen wieder zu kommen.

Von dort ging es direkt zu Mamalis Werkstatt. Ein, laut Aussage ALLER dort, dringend anstehender Ölwechsel nach 7.000 gefahrenen Kilometern wurde durchgeführt. Ich wollte mich vor den gestandenen Mechanikern jetzt nicht als Besserwisser geben und ließ sie machen. Schlecht konnte es ja alle Male nicht sein.

Auch wollte man das Plastik, welches nach meinem Göreme-Sturz gebrochen war wieder flicken und das Licht einstellen, doch alles zu seiner Zeit.

So wurde ich Teil eines normalen Tages im Leben von Mamalis Werkstatt und Allen die so kamen und gingen.

Mit einem anderen Ali (wir nannten ihn "Räuber-Ali", aufgrund seiner etwas unrühmlichen Vergangenheit) ging es dann später zum Plastik-Schweißen. Die Risse wurden zusammengepresst und ein Stück Metall-Geflecht "eingeschweißt". Hatte ich so auch noch nicht gesehen. Für mehr Stabilität wurde anschließend noch mit Sekundenkleber verstärkt. Um nicht ewig auf dessen Aushärtung zu warten wurde mit Salz nachgeholfen. Das muss ich mir unbedingt merken, guter Trick!

Es war schon Abend als wir zurück zur Werkstatt kamen. Meine Front wurde gerichtet, Licht eingestellt und die reparierte Maske wieder angebracht. Nachdem das teils eingerissene Metallgestell unter der Plastik-Maske sogar noch etwas geschweißt wurde war das Werk vollbracht.

Ein anderer Freund Alis war Optiker und so konnte er meine Brille wieder richten, super! Diese war einfach nicht gut zum Motorradfahren, verbog unter dem Helm, die Bügel rissen regelmäßig ab usw. Etwas, was ich vor meiner Abfahrt nicht bedacht hatte.

Todmüde fiel ich gegen 12 Uhr Nachts ins Bett.

 

Tag 70 - Planen                                   17.04.2016

Als erster Programmpunkt des Tages stand ein Besuch auf der pakistanischen Botschaft an. Doch wie ich es schon befürchtet hatte wurde ich mit den gleichen Worten wie schon in Istanbul : "Als Deutscher müsse man das Visum noch in Deutschland beantragen" abgewiesen. Problem dabei war, dass ich seit beinahe 3 Monaten on tour war und das Visum nur 3 Monate Gültigkeit hatte. Interessierte hier natürlich niemanden.

Es galt also nun eine Möglichkeit zu finden, mich und Queen vom Iran nach Indien zu bekommen. Wie auch immer, ob Schiff, Flugzeug oder LKW. Von letzterer Möglichkeit hatte ich jedoch noch nie gehört, wäre ja auch zu einfach gewesen ;-)

Da eine Verschiffung erstens relativ lange dauert und unglaublich hohe Verwaltungskosten mit sich brachte entschied ich mich für Air Cargo. Ich wollte unbedingt weiter kommen, jetzt war ich schon so weit gekommen, was es auch kosten würde.

Über Facebook fand ich jemanden, der mir am nächsten Tag helfen wollte. Zwischen 10 und 11 würde ich ihn treffen.

Den restlichen Tag verbrachten wir wieder in der Werkstatt. Mittlerweile wurde mir dabei ganz schön langweilig, aber was sollte ich tun...?

Relativ spät am Abend ging es dann wider heim zu Ali. Schon mehrere Tage in Teheran und noch nichts von der Stadt gesehen, ich hoffte nur meine Situation in den nächsten Tagen wieder ändern zu können.

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Kommentare: 4
  • #1

    Ma (Freitag, 22 April 2016 17:29)

    Bin gespannt, wann die Palette Nutella zuhause ankommt! Alles Gute weiterhin, Daumen hoch!

  • #2

    PA (Samstag, 23 April 2016 08:24)

    Soll dir einen Gruß vom Musikus Christoph Ruetz ausrichten ! Also gehts bald weiter gen Südosten. Der Winter meldet sich nochmals zurück !
    Weiterhin alles Gute !!!

  • #3

    Susanne + Thomas (Sonntag, 24 April 2016 12:19)

    Hast Du mal versucht, eine dt. Agentur für´s pakistanische Visum einzuschalten? VES in Frankfurt ist sehr gut, hat uns schon die unmöglichsten Dinger besorgt. Übrigens, wenn man plausibel erklärt, alles über Land zu bewältigen, sind diese 3-Monats-Fristen durchaus zu umgehen. Die Entscheidung liegt immer beim Aussteller und ist mitnichten fest in Stein gemeißelt! Wir bekamen schon 6-Monats-Fristen, weil man das Problem einsah (bei uns z.B. für China). Noch ein Tipp: Schaue Dir den unbedingt den Iran an - Teheran ist es nicht :-): Isfahan, Nain, Shiraz, Persepolis, Yazd, ...
    Alles Gute weiterhin!

  • #4

    Matthias (Dienstag, 03 Mai 2016 07:50)

    Hi Louis,
    wenn du in Indien zug fahren willst, würde ich es wie alle Touris machen und das Ticket vorher kaufen.

    in Indien an einem Fahrkartenschalter dein Ticket zu kriegen, wenn du überhaupt dich an der Xstündigen Schlange vorbeidrängeln kannst, ist für Ausländer fast unmöglich.
    Gerade wenn sie auch noch Gepäck zu verladen haben.

    Am besten machst du das über ein Buchungsbüro in einer der großen indischen STädte

    hier findest du wo welche sind
    http://www.indianrail.gov.in/