Woche 18


Gefahrene KM in Woche 18: 1.170 KM

Tag 120 - Erholen                              06.06.2016

Ich schlief nicht all zu lange und begann meine Tagebucheinträge zu schreiben, Bilder hochzuladen und mir Gedanken über die kommende Route zu machen. Biswa war schon früh arbeiten gegangen und Ruchika arbeitete von zu hause, so hatte auch ich Zeit für mich.

Mein Plan für den Norden hatte sich aufgrund mangelnder Zeit wieder geändert. In 1-2 Tagen wollte ich Manali erreichen, dann Keylong, Sarchu und schließlich Leh. Von Leh dann einen Tagesausflug zur höchsten befahrbaren Straße der Welt (Kardung-La-Pass). Den gleichen Weg wollte ich dann auch wieder zurück. Etwas langweilig zweimal die gleiche Straße zu fahren doch ich sah keine andere Möglichkeit.

Später als Biswa wieder da war gingen wir einkaufen und kochten lecker. Öl hatte ich zum Glück jetzt doch noch auftreiben können so konnte ich relativ beruhigt am nächsten Morgen weiter fahren.

Tag 121 - Anstrengend                     07.06.2016

5:30 Uhr, ich startete von Gurgaon. Mal sehen wie weit ich heute kommen würde, ich hatte kein festes Ziel.

Bis Chandigarh war die Straße 6-spurig ausgebaut und ich kam sehr gut voran. Auch bis ca. 100 Kilometer nach Chandigarh ging alles noch relativ flott, doch mit Beginn des Himalaja-Gebirges wurde die Straße 2-spurig und unglaublich schlecht. Dazu war zu diesem Zeitpunkt Hochsaison für die Berge, da es in der Ebene so unglaublich heiß war. Damit will ich sagen, dass die Straße total verstopft war, es dauerte ewig nur ein kleines Stück vorwärts zu kommen.

Nach 12 Stunden erreichte ich Manali, die eigentlich kleine Gebirgsstadt auf ca. 2200 Metern. Es kostete noch eine Stunde nur 4 Kilometer durch diese Stadt zu fahren, bevor ich vollkommen erschöpft das Zostel Manali erreichte.

Was für ein Tag!

Am Abend traf ich dann auf andere Hostelbewohner und wir gingen recht gut aber auch teuer essen. Viele witzige aber auch interessante Geschichten wurden ausgetauscht und wir lachten viel. Tolle Atmosphäre. Mit einsetzender Dunkelheit wurde es dann auch relativ frisch, vermutlich nur ein kleiner Vorgeschmack auf die kommenden Tage.

Tag 122 - Permission                       08.06.2016

Am Morgen hörte ich, dass ich, um nach Leh zu kommen eine Genehmigung benötigen würde. Zuvor hatte ich davon noch nie gehört, doch ich beschloss noch einen weiteren Tag in Manali zu bleiben und mich darum zu kümmern.

Tatsächlich benötigte ich fast einen vollen Tag in Warteschlangen um an die 250 Rupees teure Genehmigung zu kommen.

Anscheinend benötigte man diese aus Gründen der Abgasnormen, doch ich hatte noch nicht einmal ein sogenanntes "Polution Certificate" und bekam meine Genehmigung trotzdem. Vermutlich versuchte man hier nur ein wenig Geld von den Touristen abzugreifen.

Später lernte ich noch einige Neuseeländer kennen und wir hatten einen lustigen Abend mit einem Brettspiel, dessen Inhalt es war Wörter anhand von Zeichnungen zu erraten, natürlich in Englisch.

Tag 123 - Himalaja                            09.06.2016

Gegen 6 Uhr wollte ich los. Als der Wecker dann allerdings gegen 5:30 Uhr klingelte regnete es in Strömen. Erst gegen 8 Uhr ging es so im zarten Nieselregen los. Die enge Gasse zum Zostel war schon bei Trockenheit eine Herausforderung doch bei Nässe ein Graus. So legte ich die Queen in einer Kurve aufgrund rutschiger Wasserleitungen. Die Zusatzsscheibe riss ab, ansonsten blieb alles heile. Vielleicht gar nicht so schlecht, denn nun sah ich mehr und Wind bei hohen Geschwindigkeiten würde hier wohl eher auch kein Problem werden.

Erst ging es sehr gut voran auf dem Weg zum ersten Pass der Strecke Manali-Leh mit 4000 Metern. Doch wie zu erwarten gab es dann einen enormen Stau. Die Touris aus Manali wollten einmal Schnee sehen, so fuhren sie alle hinauf auf den Rohtang-Pass, dementsprechend grausam war es diesen Pass zu erklimmen.

Nach dem Pass wurde die Straße unglaublich schlecht, dafür traf man kaum noch jemanden an.

Die Queen hatte auf der folgenden Strecke hart zu kämpfen. Ab ca. 3500m hatte ich eigentlich keine Leistung mehr und schwarzer Qualm stieg aus dem Auspuff auf.

Ich war unglaublich nahe daran aufzugeben und zurück nach Manali zu fahren. Die Berge schön und gut, doch ich wollte die Queen nicht kaputt fahren, meine Reise sollte schließlich noch weiter gehen.

Letzte Option, Luftfilter ausbauen, danach sprach sie wieder an wie neu geboren, doch klar war es nicht sonderlich gut auf den staubigen Straßen ohne Filter zu fahren.

Übernachtet wurde in Sarchu im Zelt für 300 Rupees, verdammt kalt war es hier.

Tag 124 - Leh                                       10.06.2016

Gestern war ich auf einen Inder samt russischer Freundin und Charles, einen Niederländer getroffen. Da der Inder und seine Freundin am nächsten Morgen partout nicht aufstehen wollten fuhren Charles und ich alleine weiter.

Zu meiner Verwunderung wurde die Straße bald besser und wir fuhren immer öfter auch auf asphaltierten Abschnitten. 250 Km waren es von Sarchu nach Leh, wir würden ca. 8 Stunden benötigen.

Auf dem Weg querten wir 2 Pässe auf 5000 und 5300 Metern. Die bisher höchsten Berge auf denen ich je war.

Solange man auf dem Motorrad saß alles kein Problem, man war im "flow". Wenn ich dann allerdings abstieg spürte ich die Höhe sehr deutlich. Ich musste mich sehr beherrschen um langsam zu atmen und mich nicht sonderlich anzustrengen. Selbst sprechen war eine kleine Herausforderung. Für mich eine ganz neue Erfahrung.

Nach dem zweiten Pass begann eine sehr gute Straße auf einer 4800 Meter hohen Hochebene, dann ging es langsam abwärts bis wir auf den Fluss Indus trafen. Diesem folgten wir flussabwärts gen Leh. Die Landschaft war gigantisch und eine angenehme Wärme begann mit dem Abstieg auf unter 4000m.

Die Straße war schön geschwungen und gut asphaltiert, sodass ich Charles fast vergaß. Auf seiner Royal Enfield, die er in Manali gemietet hatte konnte er natürlich nur schwer mit meiner rasanten Kurvenfahrt mithalten.

Leh war zwar wieder ein bisschen touristisch doch eigentlich schön. Eine Bleibe für die Nacht zu finden war allerdings eine mehrstündige Prozedur. Als ich schon nahe am Verzweiflungs-Suizid war trafen wir 2 Deutsche auf der Straße. Wir kamen im gleichen Guesthouse für 250 rupeed die Nacht unter.

Sie waren mit ihrer umgebauten Mercedes G-Klasse unterwegs, das Ziel war Malaysia.

Wie sich später herausstellte würden wir im gleichen Konvoi Myanmar durchqueren. Unglaublich! Zufällig auf der Straße in Leh getroffen.

Morgen wollten Charles und ich auf die höchste befahrbare Straße Indiens, na ob das klappen wird?

 

PS: Da meine Spiegelreflex leider bei Kälte schnell aufgibt und es keine Möglichkeit zum Aufladen gab gibt es hier diverse iPhone Bilder :P

Tag 125 - Khardung La                      11.06.2016

Mein Magen war einmal wieder nicht in seiner beten Verfassung, trotzdem wollten wir heute auf jeden Fall die Tagestour zum Khardung La - Pass machen.

Da es nur 39 Kilometer bis dorthin waren ließen wir uns Zeit. gegen 8 Uhr starteten wir schließlich und verfranzten uns, wie gester schon, in den engen Gassen der Altstadt Lehs. Nachdem ich wieder fast am Verzweifeln waren fanden wir die Straße zum Pass. Diese war erst einmal wunderbar asphaltiert, ein Traum dort durchzupesen. Nach 20 der 39 Kilometer endete die Straße allerdings in eine üble Schlaglochpiste. Die 19 Kilometer wurden eine Qual, doch für diese Abenteuerstraßen war die Gegend ja mitunter bekannt.

Die Queen machte keine Probleme und fuhr mich anstandslos bis auf die ca. 5600m des Khardung La - Passes hinauf. Der laut Schildern höchste befahrbare Pass der Welt. Wenn man diesen glauben schenkt wäre dem auch so, tatsächlich soll der Pass allerdings etwas mehr als 5300m hoch sein und nicht wie angegeben 5600m.

Bis ich vom Motorrad abstieg war alles gut, doch dann fühlte ich die Höhe mehr als deutlich. Flache Atmung, Kopfschmerzen, Schwindelgefühl, kraftlos, kribbeln in den Fingern, die üblichen Anzeichen einer "Höhen-Krankheit".

Ich nahm keine Tabletten gegen die sogenannte "Altitude-Sickness", vielleicht wäre das besser gewesen, wer weiß.

Auf ca. 5400m Höhe trafen wir auf einen Royal Enfield Fahrer, der einen Platten hatte.

Eine gute Gelegenheit um meine Ausrüstung und auch mein Können unter Extrembedingungen auf die Probe zu stellen. Überraschend schnell und gut reparierten wir den Schlauch und ließen meinen Mini-Kompressor den Rest erledigen, sehr gut! Ein tolles Gefühl helfen zu können, auch wenn die Anstrengungen auf 5400m deutlich spürbar waren.

Zurück in Leh verabschiedete ich mich von Charles, dem Niederländer und machte mich daran einen Kompressor zu finden um meinen Luftfilter zu reinigen. Einige nette Biker unterstützten mich dabei und ich wurde sogar zum scheinbar einzigen Kompressor der Stadt gefahren.

Abends unterhielt ich mich noch einige Zeit mit Micha und Michi, den beiden Deutschen mit denen ich plante Myanmar zu durchqueren. Sehr interessant sich mit anderen reisenden auszutauschen, die so viel ähnliches erlebt hatten.

Tag 126 - Alles für die Queen        12.06.2016

Da es morgen ja schon wieder zurück nach Manali gehen sollte bereitete ich die Queen ein wenig vor. So straffte ich die Kette ein wenig und gab reichlich Kettenfett darauf, überprüfte den Reifendruck und setzte den gestern gereinigten Luftfilter wieder ein. Sie war startklar.

Den restlichen Tag schrieb ich meine Tagebucheinträge auf den PC, sodass ich sie, wenn es einmal wieder Internet geben sollte schneller hochladen konnte.

Ansonsten entspannte ich mich ein wenig, unterhielt mich mit Micha und Michi und packte meine Sachen.

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